Veröffentlichen: 05.04.2016

Schweizer Spielbanken verlieren Kunden an online Casinos

Immer mehr Schweizer vergnügen sich lieber im Online Casino als in einer der 21 Spielbanken der Eidgenossenschaft. Die Umsätze gehen deshalb zurück.

Schweizer spielen mehr online

Der Trend ist klar: in der Schweiz verlieren die Spielbanken zusehends an Kunden. Denn bereits zum achten Mal in Serie gab es einen Umsatzrückgang, wie der Schweizer Casino Verband in einer Aussendung bekannt gab. 2015 verlor man etwa  4 Prozent an Umsatz – 681 Millionen Franken  (etwa 623 Millionen Euro) wurden in den Spielbanken umgesetzt. Seit 2007 haben die Umsätze bereits um ein Drittel abgebaut. Für den Casinoverband ist klar – das neue „Geldspielgesetz“ muss hier eingreifen und die Rahmenbedingungen für die Schweizer Casinos verbessern.

Die Forderungen an den Gesetzgeber sind hart. So soll der Zugang zum online Glücksspiel gesperrt werden. Zudem sollen die neuen Pokerlokale, die durch das Gesetz legal entstehen werden, mindestens ebenso strenge Auflagen wie den Casinos gemacht werden. Zum Dritten will man auch in den Casinos Lotterie-Scheine verkaufen dürfen und Sportwetten anbieten.

Diese stark den Markt regulierenden Eingriffe argumentiert der Casino Verband unter anderem damit, dass mit den sinkenden Casino-Umsätzen auch die Beiträge der Spielbanken zur AHV (Schweizer Rentenversicherung) um 40 Prozent gefallen sind, denn diese werden von den Spielbanken unterstützt.

Geldspielgesetz gegen freies Internet

Die neuerliche Forderung weckt bei online Casinos Befürchtungen. Immerhin ging man schon bisher davon aus, dass das Gesetz sehr Spielbanken-freundlich gestaltet werden würde. So wird laut darüber nachgedacht, bestimmte Seiten komplett zu sperren. Der neue Vorstoss geht ja auch wieder in diese Richtung.

Unterstützung erhalten die online Spieler und online Anbieter von der Telekommunikationsbranche. Die verwehrte sich bereits im Oktober gegen derartige Tendenzen. Der Sprecher des Verbands der Telekommunikation Asut Christian Grasser wurde von der Handelszeitung damals wie folgt zitiert. „Die Sperrlisten widersprechen fundamental der Philosophie und Funktionsweise eines freien, offenen Internets.“

Kommentatoren weisen auch auf die Doppelmoral hin. Denn während man unter dem Argument des Spielerschutzes die ausländischen Anbieter sperren möchte, soll es Schweizer Spielbanken möglich werden auch online Glücksspiel anzubieten. Hier rechnet man auch mit einem nicht unerheblichen Mehrbeitrag für die Kassen der Kantone – denn die kalkulierten Mehreinnahmen sollen Ausgleichen, dass die Einkommensteuer auf Lotterie- und Wettgewinne gestrichen wird. Man nimmt also auf der einen Seiten freien Unternehmen die Chance am Markt teilzunehmen, ermutigt aber auf der anderen Seite die Schweizer Betriebe offensiv auf den online Markt zu drängen. Spielerschutz scheint hier nur das Feigenblatt zu sein.

Glücksspielexperten glauben nicht, dass die Spielbanken es schaffen werden, ein gleichwertiges Angebot wie die großen Online Casinos anzubieten. Die werden wohl auch in Zukunft regen Zustrom aus der Schweiz haben – denn wer online spielen will, der wird das immer schaffen.